Stiftung Scheuern zum 27. Januar 2016

„Vergiss mich nicht und komm...“ –

Ausstellung zum Gedenken an die Opfer der Zwangssterilisationen und NS-Krankenmorde in Koblenz und Umgebung 1934 - 1945

Die Stiftung Scheuern aus Nassau zeigt in Zusammenarbeit mit dem Verein Mahnmal Koblenz e.V. ihre Dokumentation
vom 13.01. bis zum 03.02.2016 in der Citykirche Koblenz
zum Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewalttaten. Sie setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen, erinnert an das dunkelste Kapitel ihrer 166-jährigen Geschichte, denn nur wer die eigene Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten.

„Vergiss mich nicht und komm...“ waren die verzweifelten Worte des ermordeten Karl L. in seinem Brief an seine Schwester. Karl L. gelangte mit einem Sammeltransport im April 1941 nach Scheuern und wurde am 16. Mai 1941 nach Hadamar transportiert. Seine Zeilen wurden nie abgeschickt, erinnern aber an das unsagbare Verbrechen, der Vernichtung des sogenannten unwerten Lebens, den brutalen Mord an Menschen mit Behinderung und an eine Zeit in der Einrichtungen der Behindertenhilfe von den Nazis als Zwischenanstalten missbraucht wurden. Unter ihnen war auch die heutige Stiftung Scheuern in Nassau. Fast 1.500 Menschen aus der Zwischenanstalt Scheuern wurden unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in Hadamar umgebracht. Viele der getöteten Menschen spürten sehr genau, was sie erwartete. Das belegen nicht nur die Briefe, die sie wie damals Karl L. hinterließen.

Auch dem Koblenzer Alois G. wurde das Lebensrecht abgesprochen. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in seinem Elternhaus in der Salierstraße. Von da aus kam er nach Scheuern und lebte in der Zwischenanstalt ein knappes Jahr.

Im Alter von 17 Jahren wurde er in Hadamar am 1. Juli 1941 vergast.

In der Ausstellung wird an die vom NS-Regime getöteten Bürger der Stadt Koblenz und an die ehemaligen Bewohner der Stiftung Scheuern gedacht.

So beleuchtet die Ausstellung auch das Schicksal von Katharina H. Sie fiel ebenfalls der Aktion T4 zum Opfer und lebte seit 1911 in der damaligen Anstalt Scheuern. Zwei Tage, am 30.03.1941 vor ihrem Weg in den Tod, schrieb sie an ihre Familie „...muss nur weinen und nichts weiter als weinen...“ und „...behüt mich Gott, dass ich auch noch einmal frohe Stunden erleben dürfe...“.

Ab 1941 wurden Urteile über den Wert menschlichen Lebens gefällt und Scheuern zum Handlanger der Urteilsvollstreckung gemacht. Die Stiftung Scheuern ruft in Erinnerung an die eigene Geschichte zur Wachsamkeit auf und mahnt, dass es niemals mehr ein solch grauenhaftes Zusammenspiel von politischer Ideologie und einer gesund und rein zu haltenden Rasse geben darf. Niemals mehr dürfen Menschen in einer Gesellschaft als „Ballastexistenzen“ unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt für einen Staat eingestuft werden. Diese furchtbaren Gräueltaten dürfen sich nie mehr wiederholen und darum ist die Stiftung Scheuern gegen das Vergessen. Sie setzt sich in der Gegenwart dafür einsetzen, Leben zu schützen, wo immer Leben geschützt werden will.


Stiftung Scheuern - Auf einen Blick:

Die Stiftung Scheuern betreut Menschen mit geistiger Behinderung, psychischer Erkrankungen und erworbener Hirnschädigung.

Die Stiftung Scheuern ist eine große diakonische Einrichtung der Behindertenhilfe im nördlichen Rheinland-Pfalz mit Hauptsitz in Nassau. Sie setzt sich für ein selbstbestimmtes Leben und für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein.

Unter dem Leitgedanken von Inklusion und der Achtung des Einzelnen in seiner Würde und Individualität hat die Stiftung Scheuern ein breites Angebot entwickelt. Das Spektrum reicht vom Wohnen, über Bildung und Qualifizierung bis hin zu Arbeit und Beschäftigung. Medizinische, therapeutische Begleitung und Behandlung gehören ebenso dazu wie die Freizeitgestaltung. Auch ambulante Betreuungsformen zählen zu den Dienstleistungen.

Individualität und Leben in der Gemeinschaft versteht die Stiftung Scheuern nicht als Gegensätze, sondern betrachtet sie im Sinne eines abwechslungsreichen und erfüllten Lebens.

Die Stiftung Scheuern ist der größte Arbeitgeber im Rhein-Lahn-Kreis.

Viele hundert Mitarbeitende sind in einer Dienstgemeinschaft zum Wohle der Menschen tätig. Darunter sind pädagogische und pflegerische Fachkräfte, Handwerker der verschiedensten Branchen, Kaufleute und IT-Spezialisten.

Die Stiftung Scheuern ist zudem ein großer Ausbildungsbetrieb für Heilerziehungspfleger und für die genannten Berufsbilder.


Mehr unter: www.stiftung-scheuern.de