Gedenken an die erste Deportation ganzer Familien 1940

Obwohl schon 1933 rassistische Kriterien in die Gesetzgebung eingeführt wurden, waren es bis dahin jedoch meist einzelne Personen, auf die diese Kriterien angewandt wurden. Auch wenn die bloße Zugehörigkeit als Jude, Sinto oder Rom bereits genügte, um nationalsozialistischer Verfolgung ausgesetzt zu sein, so waren es doch in der Regel erwachsene Männer, die hiervon betroffen waren. Mit der ersten großen Verschleppungsaktion von Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager waren zum ersten Mal in Deutschland ganze Familien betroffen. Es war sozusagen ein „erster Testlauf“ für die Nationalsozialisten. Wie waren so viele Menschen zu transportieren und zu überwachen? Leisteten die verhafteten Menschen Widerstand? Wie reagierte die Bevölkerung auf das öffentliche Fortschaffen einer Minderheit? Insgesamt wurden bei dieser Aktion 2.800 Menschen deportiert. Anlässlich des 75. Jahrestages hat der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes der Sinti und Roma, Jacques Delfeld, landesweit Gedenken initiiert.

Asperg in Baden-Württemberg am 16. Mai 1940 (Quelle Bundesarchiv)

 

Samstag, 16. Mai 2015 um 11 Uhr am Bahnhof Asperg, Alleenstrasse 1, 71679 Asperg

In die Festung Hohenasperg wurden zunächst alle Sinti aus Mainz, Ingelheim, Worms, Ludwigshafen, der Südpfalz und Baden-Württemberg gebracht. Nach tagelanger Inhaftierung und erneuter Untersuchungen durch die so genannte „Rassenbiologische Forschungsstelle“ wurden die Menschen all ihrer bürgerlichen Rechte beraubt und allein aus rassischen Gründen von Asperg in die Ghettos und Konzentrationslager in das besetzte Polen verbracht.

Herr Bürgermeister Ulrich Storer, Vertreter des rheinland-pfälzischen und des baden-württembergischen Landesverbandes sowie des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma werden sich bei der Gedenktafel einfinden.

Samstag, 16. Mai 2015 um 13 Uhr an der Stele für die Sinti und Roma in der Altenauer Gasse 7-9 (ehemals Birnbaumsgasse!) in Mainz

Herr Oberbürgermeister Michael Ebling wird gemeinsam mit einem Vertreter des rheinland-pfälzischen Landesverbandes den über 100 Sinti gedenken. Die Stele wurde 2013 von Mainzer Bürgern initiiert und finanziert.

Samstag, 16. Mai 2015 um 11 Uhr am Mahnmal für die Opfer des Faschismus, Lutherplatz, Adenauerring in Worms

Herr Oberbürgermeister Michael Kissel wird mit einem Vertreter des rheinland-pfälzischen Landesverbandes der Opfer des Nationalsozialismus gedenken und Blumen niederlegen. Aus Worms sind vor 75 Jahren 61 Menschen deportiert worden.

Samstag, 16. Mai um 14 Uhr am Mahnmal für die Sinti am Rathausplatz (Seite zum Ludwigsplatz) in Ludwigshafen

Vertreter des rheinland-pfälzischen Landesverbandes gedenken an der Stele. Das Mahnmal am Rathausplatz steht an einer historischen Stelle: Hier mussten die Sinti aus Ludwigshafen und aus der Pfalz in den Zug nach Hohenasperg einsteigen.

Sonntag, 17. Mai 2015 Gedenkgottesdienst um 10 Uhr im Dom zu Trier

Herr Bischof Dr. Stephan Ackermann wird das sonntägliche Hochamt halten und in der Predigt und den Fürbitten das Gedenken an die Sinti und Roma mit einbinden. Herr Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Herr Jacques Delfeld werden anschließend sprechen. Der gemeinsame Gang zum Gedenkort am Bischof-Stein-Platz mit Kranzniederlegung und Gebet beschließt das Gedenken.

Am 16. Mai 1940 wurden die Sinti-Familien in Trier aus ihrer Heimat verschleppt. Für die betroffenen Männer, Frauen und Kinder kam der Abtransport völlig überraschend und aus der Bevölkerung regte sich kein Widerstand. Sie wurden zunächst in das Sammellager „Messe Köln“ verbracht. Aller bürgerlichen Rechte beraubt, wurden sie bis zur Beendigung des Krieges unter grausamsten Lebensbedingungen in Zwangsarbeitslager gezwungen. Die wenigsten haben überlebt.

Sonntag, 17. Mai 2015 um 17 Uhr am Mahnmal für die Sinti am Deutschen Eck in Koblenz

Die Koblenzer Sinti wurden am 17. Mai 1940 zunächst in das Sammellager „Messe Köln“ verschleppt und von dort in die Ghettos und Konzentrationslager im von den Nationalsozialisten besetzten Polen. Vertreter des rheinland-pfälzischen Landesverbandes gedenken an dem Mahnmal am Deutschen Eck der deportierten 77 Koblenzer Bürger. Im März 1943 wurden in einer zweiten großen Deportation 149 Bürger nach Auschwitz-Birkenau verbracht.

Sammellager „Messe Köln“ im Mai 1940 (Quelle Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)

 

 

 

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